Hochschulen

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DISKUSSION

Hochschulen

In den letzten Jahren wurden über 20.000 Stellen an Hochschulen gestrichen. Bei gleichzeitig 150.000 mehr Studierenden wird Bildung zur Massenabfertigung! Was meinen Sie?
9 Kommentare Kommentar verfassen

Es mag ja sein, dass wir MEHR junge Menschen in die Unis locken müssen, um die nächste Generation auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Aber 1. schrecken wir sie gerade durch Studiengebühren ab. Und 2. darf die Quantität nicht zu Lasten der QUALITÄT gehen. Die aber leidet. Das Verhältnis zwischen der Zahl der Studierenden und derer, die sie betreuen, ist vielerorts schon so aus dem Ruder gelaufen, dass man als Dozent alle Ideale aufgibt und sich nur noch "durchwurschtelt" - Arbeiten oberflächlich korrigiert, Multiple-Choice-Tests stellt, Frontalunterricht hält. Auch das Prinzip "Leistung durch Wettbewerb" ist Unsinn. Wenn man Mittel auf eine kleine Zahl angeblicher "Eliteuniversitäten" konzentriert, heißt das vor allem, dass Lehre und Forschung an den meisten Universitäten SCHLECHTER werden. Wenn an den Unis die Arbeitsplatzsicherheit flöten geht, dann gehen Leistungsträger in die Privatwirtschaft, wo sie zumindest noch anständig bezahlt werden. Es ist auch nicht hilfreich, dass man heute - neben überfüllten Lehrveranstaltungen und steigenden Erwartungen an die eigene Publikationsliste - fortwährend unentgeltlich an Anträgen für neue Drittmittelprojekte arbeiten muss, um auch im nächsten Jahr eventuell noch Geld zu verdienen. Die Energie, die dieser Wettbewerb frisst, fehlt, um noch Qualität in Forschung und Lehre abzuliefern. In Wahrheit geht es beim das Prinzip "Leistung durch Wettbewerb" doch darum, verheerende Sparmaßnahmen positiv zu vermarkten.

Detlev Lück

Seit ich (politisch) denken kann, betonen Politiker, dass Bildung der einzige "Rohstoff" sei, der unsere Wirtschaft trägt und dass man die Investition in Bildung nicht wichtig genug einschätzen könne. Seit ich denken kann, wird aber auch gerade an Bildung gespart. Man muss nur einmal die Universitätsgebäude inspizieren, um zu sehen, welchen Stellenwert Bildung tatsächlich hat. (In meinem Büro z.B. hängt seit 8 Wochen eine kaputte Jalousie. Einer von drei Aufzügen im Gebäude ist einmal wieder außer Betrieb. Der Beamer im Seminarraum soll zur Zeit gerade wieder funktionieren.) Sozialer Wohnungsbau sieht oft einladender aus. Die Ausstattung mit Medientechnik ist in jedem noch so kleinen privaten Unternehmen besser. Und dass man auch 2007 noch von Hand Formulare ausfüllen muss, wenn man ein Buch ausleihen möchte, finde ich peinlich. Artikel 24 Stunden am Tag online bestellen können und als PDF zugeschickt bekommen - das wäre Stand der Technik. Und das würde es uns ermöglichen, in der Forschung international mitzuhalten.

Detlev Lück

Zum Sinn und Unsinn der "Eliteuniversitäten" hat Richard Münch (Soziologe an der Uni Bamberg) ein Buch veröffentlicht: "Die akademische Elite. Zur sozialen Konstruktion wissenschaftlicher Exzellenz" (suhrkamp). Wer's bequemer haben möchte, kann hier nachlesen: http://www.zeit.de/2007/47/Akademische-Weltliga?page=all oder http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,512066,00.html

Detlev Lück

Den drei das Thema Bildung schon fast komplett behandelnden Artikeln
http://www.psverlag.de/artikel/ausmitbildung.html
http://www.psverlag.de/artikel/derletzteaufschwung.html
http://www.psverlag.de/artikel/schule.html
möchte ich noch hinzufügen, dass selbst die großen Universitäten ... und auch in den Elitefächern wie Medizin nicht einladender sind als etwa 1988. Die Mangelwirtschaft ist dem Universitätsbetrieb heute sogar noch stärker anzumerken, da man jetzt auch Vergleichsmöglichkeiten hat. Das Leuchtturmprinzip der Wirtschaftsförderung drückt sich in Universitäten als Sanierung von Haupteingang ... und in Umstrukturierungswut aus. Wenn der Staat also zu Hochschulbildung nicht mehr Willens und in der Lage ist, darf die Lösung aber nicht Monopol von wenigen ... Privatuniversitäten heißen. Hier brauchen wir keine vorinstallierte Platzhirsche. Zerschlagung der Großanbieter, um echte Konkurrenz zu fördern und damit aus verkrusteten Budgetorganisationen nicht ähnlich verkrustete Bildungskonzerne zu machen, die uns teuer auf der Tasche liegen, ohne in der Fläche die nötige Leistung zu bringen. ... Dem Staat muss ein erheblicher Anteil des Budgets entrissen werden, der als Steuern bisher angeblich die Volksbildung ... finanzieren sollte. Wenn der Staat mit diesem Geld nicht umgehen kann, dann muss er es eben dem Bürger wieder zurück geben. Den hier gekürzten Artikel finden Sie in ganzer Länge unter http://www.psverlag.de/artikel/uniloch.html

PS VERLAG

"wir haben zu wenige Hochschulabsolventen, wir brauchen qualifiziertes Personal.... " Jeden Tag kann man das in der Presse von irgend einem Politiker hören. Aber wie locken wir denn Studenten an? Durch horrende Studiengebühren, die sogar BaföG-Empfänger zahlen müssen? Durch Einsparungen am Personal? Durch die Umstellung auf EDV für alle(!) Leistungen der FH's? Durch die Streichung jeder Art von Service? In einer Fh kann man keinen Menschen mehr nach irgend etwas fragen. Da heißt es nur noch, schauen sie im Internet. Das funktioniert aber so gut wie nie, so dass man dann doch wieder kommen muss. Als Reaktion bekommt man eine patzige Antwort und den Spruch: "Das dürfen wir nicht mehr machen, das läuft über das SB-Portal." Da frage ich mich, was ist noch der Unterschied zu einem Fernstudium??? So kann sich keiner mehr das Studium leisten, geschweige denn, dass es noch Spaß macht!!!! Wofür gibt es Sekretärinnen für jeden Fachbereich überhaupt noch? Früher fragte man da nach bei Problemen und bekam kompetente Auskunft und Hilfe... Ich bereue es manchmal bereits, das Studium begonnen zu haben - wie soll ich da jemand anderem raten, das zu tun? Bei einer solchen Hochschulpolitik werden die Absolventen nur noch weniger....

Tine E.

Die Zeit, die Studierende damit verbringen, sich mit ihrem Fach zu beschäftigen, sinkt beständig.
Die wichtigsten Faktoren, die ich an meiner Universität beobachte sind dabei:

1) Beschleunigungseffekte durch neuen Studienrahmen (Umstellung auf Bachelor als Regelstudiengang): Ohne wesentliche Straffung des Stoffes mehr Durchlauf "im Kopf" in kürzerer Zeit, Verlust von Wahl- und Vertiefungsmöglichkeiten. Selbst bei guter Organisation und Motivation bleibt kaum die Zeit zu kritischem reflektieren - "Wissen" wird mehr und mehr konsumiert statt angeeignet, in kurzfristigen Prüfungen unverdaut "ausgespuckt" statt erworben. Die Absolventen sind "überfüttert", selbst denken und urteilen fällt ihnen zusehends schwerer.

2) Zeitverlust durch Zwang zu verstärkter regelmäßiger Erwerbsarbeit während des Studiums
Nie vorher habe ich erlebt, wie viele Studierende kontinuierlich während des Semesters und mit einem Zeitaufwand von bis zu 15 Stunden pro Woche, teilweise auch mehr, sich gezwungen sehen, ihren Lebensunterhalt aufzustocken. Nützliche berufspraktische Erfahrungen sind dabei selten, es überwiegen stupide Brotjobs. Nach meinen Erfahrungen haben sich die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten von Studierenden seit 1996 in etwa verdoppelt. Gleichzeitig lassen sich immer häufiger physische und psychische Überanstrengungssymptome erkennen - "Burnout mit 22". Kein Wunder, neben der reinen Arbeitszeit fehlt auch die Zeit, sich zu erholen. Beides schadet Studium und Studierenden.

Gesa Horvath

Hallo Leute,

ich wollte allen eine sejr gute kritische Website zum lesen empfehlen, und zwar die
www.nachdenkseiten.de. Hier werden die Machenschaften der Neoliberalen erklärt und ihre Ideologie mit fachlichen Arrgumenten demontiert. Unbedingt weitersagen!! Wir Bürger müssen uns bei unabhängige Quellen informieren und für mehr Demokratie einsetzen. Für einen besseren Staat für alle und gegen die Zerschlagung der öffentlichen Leistungen. denn wofür zahlen wir sonst Steuern? Vielleicht sollten wir uns mal weigern, sie zu zahlen? Wäre mal eine Idee... :-)

Schöne Grüße und viel Mut!
E.H., Berlin

eva hernandez

Nun ist sie da, die Stiftungsuniversität, und gleich wird diese zur Elite-Uni. Hochschulabbsolventen sollen nicht mehr anerkannt werden. Wann ist nur endlich die 10-Jahresfrist für die Uni vorbei, ach ja 2018 schon, dann geht es uns allen Bediensteten an den Kragen. Dann werden wir wohl Auslagerungen spüren, wie heute bei der Telekom und bei der Post. Bisher ging ich motiviert zur Arbeit, jedoch seit wir als Kostenfaktor tituliert sind arbeite ich nur noch halbherzig und jetzt seit der Stiftungsuni, frage ich mich, ob nicht ein anderer Betrieb Interesse an einer motivierten, engagierten Teilzeitkraft hat. Der Job beim Staat gibt keine Sicherheiten mehr. Die Privatisierung führt den Staat in ein Moloch, von nicht kalkulierbarem Ausmass. Auf jetzt Investiertem wird er sitzten bleiben, die guten werden von selbst gehen, am Ende amotisiert sich alles von selbst, so, wie sich die Uni alles vorgestellt hat. Bitte schön! Doch die Denker und Dichter sind dann nicht mehr dabei, vieleicht kommt der dann aus Indien oder China, oder einem anderen Land, wir werden sehen, ob ich noch dabei sein werde steht noch aus. Ein gutes Angebot von Auswärts hat mir mein damaliger Meister zerschlagen können und heute mit zwei Kindern wird es schwieriger ins Ausland zu gehen. Doch nichts ist unmöglich, gute Arbeit wird gebraucht und keiner der sie bremst, was schade für die Studierenden ist, den die Budgets werden immer knapper und die Qualität wird schwinden. Also Hüh oder Hot Susanne Geis Uni Ffm

Susanne Geis

Ich bin 24 und arbeite seit einigen Jahren im medizinisch-technischen Dienst einer Universitätsklinik in der medizinische Grundlagenforschung. Inzwischen habe ich meinen dritten Arbeitsvertrag bekommen. Bei uns bekommen neue Kollegen nur noch befristete Verträge ohne absehbare Chance auf Festanstellung. Nach 5 Jahren bzw. 3 Folgeverträgen greift die „5-Jahres-Regel“: Der Arbeitnehmer darf für mindestens ein ¾ Jahr nicht mehr beim selben Arbeitgeber beschäftigt sein, damit so sein Anspruch auf eine Festanstellung verwirkt ist. Erst danach kann er wieder beschäftigt werden. Man muss sich also alle 5 Jahre einen „Zwischenjob“ suchen und hoffen, danach wieder angestellt zu werden oder alle 5 Jahre einen neuen Job an einer anderen Klinik suchen und umziehen. Die angesammelte Berufserfahrung ist natürlich verfallen und man wird wieder als Berufseinsteiger eingruppiert.
Besonders schlimm ist die finanzielle Lage für Kollegen, die erst nach dem BAT, also im TVöD/TVL angestellt wurden. Die älteren Kollegen aus der „guten alten Zeit“ haben bei der Unstellung alle noch ihre vorgezogenen Bewährungsaufstiege kassiert und werden in Entgeldgruppen bezahlt, die wir nach dem neuen Tarifvertrag gar nicht mehr erreichen können. Bewährungsaufstiege gibt’s nicht mehr. Entwicklungsmöglichkeiten/Perspektive = Null. Ich habe viele ältere Kollegen, die bekommen für den gleichen Job Brutto über 1000 € mehr. Ich bekäme auf Endstufe in 13 Jahren, wenn ich diese wegen den ständigen Neuverträgen überhaupt erreiche, gerade einmal 300 € brutto mehr als heute.
Und wenn bei uns eine Feststelle z.B. durch Renteneintritt frei wird, wird sie eben einfach nicht wieder bzw. nur befristet besetzt.
Ich verdiene knapp 1200 € netto. Davon gehen ab: 500 € Miete + NK, 200 € Lebensunterhalt, 250 € Auto & Sprit, 100 € Rücklage/Altersvorsorge. So bleiben im Monat also ca. 150 € für den Rest (Reparaturen, Anschaffungen, Kultur, Urlaub etc.).
Von wegen „Du bist Deutschland!“. Wie soll ich unter diesen Bedingungen eine Familie gründen und ernähren oder mir etwas aufbauen? ES REICHT MIR!!!!!!

Michael

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